
WIEN VERSTEHEN
Trinkgeld, Öffnungszeiten & Umgangsformen einfach erklärt
Bei einem Wien-Besuch begegnen dir schnell Situationen, in denen lokale Gewohnheiten und feste Abläufe eine wichtige Rolle spielen – sei es beim Bezahlen im Restaurant, bei den Öffnungszeiten der Geschäfte oder in den kleinen Umgangsformen des Alltags. Vieles davon ist nicht schwierig, funktioniert in Wien aber einfach etwas anders als in anderen Städten.
Damit du dich ohne Unsicherheiten orientieren kannst, fasst dieser Guide die wichtigsten Grundlagen klar, kompakt und praxisnah zusammen. Du erfährst, wie Trinkgeld in Wien üblicherweise gegeben wird, wann du wirklich noch einkaufen kannst und welche Höflichkeitsformen im Alltag selbstverständlich sind. Kurz gesagt: alles, was dir hilft, dich in Wien von Anfang an entspannt und souverän zu bewegen.
Trinkgeld: Kurz erklärt
Trinkgeld ist in Wien selbstverständlich, aber deutlich unkomplizierter, als viele Besucher erwarten. Zwar gelten offiziell 5-10 % als Richtwert, doch in der Praxis macht kaum jemand genaue Prozentrechnung. Wiener runden meistens einfach sinnvoll auf und sagen den Gesamtbetrag aktiv an.
Restaurants & Kaffeehäuser
Offiziell sind 5-10 % normal.
Praktisch sieht es so aus:
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Bei kleineren Rechnungen sind 1-2 Euro üblich.
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Bei höheren Beträgen wird logisch aufgerundet (z. B. 46 → 50 Euro).
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Trinkgeld wird beim Zahlen übergeben, nicht am Tisch liegen gelassen.
Der typische Ablauf ist simpel: Der Kellner nennt den Betrag – und du sagst den Gesamtbetrag, den du geben möchtest.
Zum Beispiel:
„Mach dreißig.“
oder einfach „Fünfzig.“
Hinweis: Viele Kellner freuen sich, wenn du das Trinkgeld bar gibst, auch wenn du den Hauptbetrag mit Karte zahlst. Dadurch landet es schneller und eindeutiger bei der Person, die dich bedient hat.
Kartenzahlung
In Wien sagst du den Gesamtbetrag vor der PIN-Eingabe an – das ist nach wie vor die klassische Methode.
Tipp-Funktionen auf Terminals tauchen inzwischen zwar häufiger auf, entsprechen aber nicht der gelebten Praxis und werden von vielen Wienern eher kritisch gesehen. Die meisten warten nicht auf solche Buttons, sondern sagen den Betrag einfach direkt an.
Bars
Ganz unkompliziert:
„Stimmt so“ oder ein kleines Aufrunden (0,50 - 2 Euro) genügt völlig.
Niemand erwartet große Beträge.
Taxis
Hier wird fast immer glatt gerundet:
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18,20 → 20 Euro
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14,40 → 15 Euro
Das gilt für Bar- und Kartenzahlung gleichermaßen.
Hotels
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Housekeeping: 1-2 Euro pro Nacht, wenn du zufrieden warst
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Gepäckservice/Concierge: 2-5 Euro je nach Aufwand
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Große oder amerikanische Summen sind nicht üblich
Öffnungszeiten in Wien
Im Gegensatz zu vielen anderen Großstädten ist Shoppen am Sonntag in Wien nahezu unmöglich. Die meisten Geschäfte bleiben geschlossen, und nur wenige Ausnahmen helfen aus. Damit du gut planen kannst, findest du hier die wichtigsten Öffnungszeiten und die wenigen Sonderfälle kompakt zusammengefasst.
Supermärkte
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Montag-Freitag: meist 07:40-20:00 Uhr
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Samstag: üblicherweise bis 18:00 Uhr
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Sonntag: bis auf wenige Ausnahmen geschlossen
Ausnahmen an Sonn- und Feiertagen:
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Bahnhöfe (z. B. Hauptbahnhof, Westbahnhof) – Supermärkte geöffnet, meist bis 22:00 Uhr, allerdings häufig mit langen Schlangen
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Billa Corso im Herrnhuterhaus (1. Bezirk) – am Sonntag geöffnet
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Einige Souvenirläden im Zentrum – teilweise geöffnet
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Tankstellen – Snacks & Getränke erhältlich, meist teurer, aber zuverlässig verfügbar
Restaurants
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Öffnen meist zwischen 10:30 und 11:00 Uhr
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Küchenschluss ist oft rund eine Stunde vor Sperrstunde
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Schließen je nach Lokal zwischen 22:00 und 23:00 Uhr
Hinweis: In vielen Lokalen ist es mittlerweile üblich, zum Tisch geführt zu werden. Einfach hinsetzen ist nicht überall erwünscht.
Kaffeehäuser
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Traditionelle Kaffeehäuser öffnen zwischen 08:00 und 09:00 Uhr
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Moderne Coffeeshops meist zwischen 09:00 und 10:00 Uhr
Schließzeiten variieren stark je nach Betrieb.
Shops in der Innenstadt
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Montag-Samstag: meist 10:00-19:00 Uhr
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Große Modeketten oft bis 20:00 Uhr
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Sonntag: geschlossen, mit einzelnen Ausnahmen (Souvenirs)
Museen
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Üblich sind 10:00-18:00 Uhr
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Donnerstags haben manche Häuser verlängerte Öffnungszeiten (z. B. bis 21:00 Uhr)
Da die Zeiten zwischen den Museen variieren, empfiehlt sich ein kurzer Blick auf die jeweilige Website.
Weihnachtsmärkte
Die Öffnungszeiten unterscheiden sich je nach Markt.
Alle wichtigen Informationen findest du hier.
Umgangsformen in Wien
Die Wiener Art ist höflich, ruhig und oft ein wenig zurückhaltend. Dieses Zurückhaltende wird von Besuchern manchmal als unfreundlich interpretiert, hat aber keinen bösen Hintergedanken – es ist einfach der natürliche, unaufdringliche Kommunikationsstil der Stadt.
Vieles wirkt selbstverständlich, aber gerade als Besucher hilft es, ein paar typische Abläufe zu kennen.
Höflichkeit – kurz und respektvoll
In Wien ist Höflichkeit unaufgeregt und direkt. Ein einfaches
„Grüß Gott“, „Hallo“, „Bitte“ und „Danke“ reicht vollkommen – mehr braucht es nicht.
Überschwängliche Freundlichkeit wirkt schnell gekünstelt, sachliche Höflichkeit dagegen völlig normal.
In Lokalen
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Am Eingang wartet man meist kurz, um zum Tisch geführt zu werden – selbst in einfacheren Lokalen wird das immer mehr zum Alltag.
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Leitungswasser gibt es in allen Lokalen, aber im Gegensatz zu vielen anderen Städten fast immer nur auf Nachfrage. Je nach Restaurant kann dafür eine kleine Servicepauschale verrechnet werden.
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Wenn du zahlen möchtest, sagst du es aktiv – typischerweise mit „Zahlen, bitte.“ Die Rechnung kommt nicht automatisch, auch dann nicht, wenn du schon länger fertig bist.
Öffis
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Auf Rolltreppen steht man rechts, links wird gegangen.
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Beim Einsteigen gilt überall: zuerst aussteigen lassen, dann einsteigen.
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Nach dem Einsteigen bleibt man nicht direkt im Türbereich stehen, sondern geht – wenn möglich – in den Innenraum weiter, damit andere problemlos nachrücken können.
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Lautes Telefonieren, Musik ohne Kopfhörer oder Essen mit starkem Geruch wird nicht gern gesehen.
Der Wiener Grant
Der Wiener Grant ist eine eigene Kategorie – und vielleicht das missverständlichste an Wien. Wenn du neu in der Stadt bist, wirkt er manchmal wie ein kurzer, knapper Satz oder ein Blick, der etwas weniger herzlich klingt, als er gemeint ist.
Aber glaub mir: Das ist kein Angriff. Das ist Wien.
Der Grant ist keine schlechte Laune, sondern eine Art ehrlich-direkte Kommunikation. Die meisten Wiener verschwenden keine Energie auf übertriebene Freundlichkeit – dafür bekommst du immer das, was sie wirklich meinen. Und genau darin steckt etwas unglaublich Sympathisches.
Mit der Zeit merkst du, wie viel Wärme in dieser knappen Art steckt. Sie ist nicht laut, nicht überschwänglich, aber sehr verlässlich. Wenn ein Wiener etwas für dich tut, dann, weil er’s ernst meint – nicht, weil er dir etwas vorspielt.
Und irgendwann erwischst du dich selbst dabei, wie du den Grant zu schätzen beginnst. Wie du plötzlich verstehst, dass ein „passt scho“ mehr Zustimmung enthält als jedes überschwängliche Kompliment anderswo. Und wie ein ehrliches, ungezwungenes Lächeln von einem Wiener mehr Wert hat als jedes Pflichtlächeln.
Vielleicht ist der Grant nicht immer leicht zu lesen.
Aber wenn du ihn einmal verstanden hast, fühlt sich Wien nicht mehr distanziert an – sondern überraschend nah.
Wien wirkt auf den ersten Blick ruhig, höflich und manchmal ein wenig zurückhaltend – aber genau das macht den Charakter dieser Stadt aus. Wenn du weißt, wie Trinkgeld funktioniert, wann wirklich geöffnet ist und wie die Wiener im Alltag ticken, bewegt sich alles deutlich entspannter.
Und je besser du den typischen Ton verstehst, desto schneller merkst du: Hinter der scheinbaren Distanz steckt oft mehr Wärme, als man im ersten Moment erwartet.
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